Die Konzeption zur Förderung und individuelle Therapie an der Roda-Schule
Was wir heute den F+iT-Bereich nennen, wurde bereits 1987 an der Roda-Schule konzipiert, damals noch unter dem Namen SPM (Sonderpädagogische Maßnahmen).
Ziel war es, optimale Fördermöglichkeiten für die Schülerschaft mit besonderen Bedürfnissen zu entwickeln. Die Ausgangsfrage lautete, was bedeutet „Miteinander Leben Lernen“ für diesen Personenkreis und welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um dieses Ziel zu erreichen.
Die Förderung in diesem Bereich wurde von Barbara Breuer unter dem
Titel: "Leben lernen – Sonderpädagogische Maßnahmen – ein Förderkonzept
der Roda-Schule" beschrieben. 2001 erfolgte auf dieser Basis eine
Neufassung, die als offene Konzeption angelegt war und den Stand der
Arbeit mit dem Personenkreis der schwerstbehinderten Schülerinnen und
Schüler aufzeigte.
Die Bezeichnung – Sonderpädagogische Maßnahmen
(SPM) - wurde vor einigen Jahren umbenannt in - Sonderpädagogischer
Förderbereich (SPF). Der Begriff Maßnahmen umschrieb für Pädagogen und
Therapeuten nicht mehr die Schwerpunkte der Arbeit. Es wurde assoziiert,
Maßnahmen werden durchgeführt, ohne das Miteinander von Pädagogen und
Therapeuten im Focus zu halten.
Im Schuljahr 08/09 setzte sich das
Kollegium erneut mit der Beschreibung dieses Arbeitsbereiches
auseinander und entschied sich letztendlich für die Bezeichnung F+iT.
Die Abkürzung F+iT (sprich fit) steht für "Förderung und individuelle
Therapie".
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Die Schülerschaft
Im F+iT-Bereich erhalten Schülerinnen und Schüler (nachfolgend: Schüler) mit einer Schwerstbehinderung außerhalb ihres vertrauten Klassenverbandes zusätzliche pädagogische und therapeutische Angebote im sogenannten Blockunterricht.
Zum Personenkreis der Menschen
mit schwerer Behinderung gehören laut BASS 14-03, § 8 Schüler, "… deren
Behinderung auf der Grundlage einer geistigen Behinderung, einer
Körperbehinderung oder einer Erziehungsschwierigkeit erheblich über die
üblichen Erscheinungsformen hinausgeht oder bei denen zwei oder mehr der
Behinderungen Blindheit, Gehörlosigkeit, anhaltend hochgradige
Erziehungsschwierigkeiten, geistige Behinderung und hochgradige
Körperbehinderung vorliegen."
Aktuell besuchen 23 Schüler den
F+iT-Bereich an zwei bis vier Tagen pro Woche für jeweils eine
Unterrichtseinheit.
Neben den Blockschülern erhalten zahlreiche
Schüler physiotherapeutische und logopädische Behandlungen in den
Räumlichkeiten des F+iT-Bereichs.
Das Mitarbeiterteam
Im F+iT-Bereich arbeiten zur Zeit:
- zwei Sonderpädagoginnen und eine Fachlehrerin (zusammen mit
insgesamt 38 Lehrerwochenstunden)
- eine hauseigene Physiotherapeutin
(Halbtagsstelle)
- eine Krankenschwester
- vier Physiotherapeuten aus zwei freien
Praxen und
- vier Logopädinnen aus zwei Praxen
Die Auflistung der verschiedenen Berufsgruppen macht deutlich, dass es tagtäglich zu Überschneidungen der Arbeitsbereiche kommt. Damit dies nicht additiv sondern miteinander verknüpft geschieht, ist ein Leitgedanke des F+iT Konzeptes, den Schüler ganzheitlich, seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend zu fördern und seine Gesamtpersönlichkeit im Blick zu halten.
Dies kann nur bei einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen
den verschiedenen, an der Förderung beteiligten Berufsgruppen gelingen.
Diese Zusammenarbeit setzt einen detaillierten Organisationsplan
voraus.
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An vier Vormittagen in der Woche besuchen Schüler den F+iT Bereich.
Um
die Unterrichtsangebote dem Alter der Schüler angemessen abstimmen zu
können und den organisatorischen Rahmen überschaubar zu gestalten,
arbeiten wir in zwei Unterrichtsblöcken. Es findet ein Angebot für den
Vor-, Unter- und Mittelstufenbereich in der Zeit von 8.30h bis 9.45h
statt und ein weiterer Block für Oberstufenschüler und Schüler aus den
Berufspraxisstufen von 10.45h bis 12.15h. Die Schüler befinden sich
rechtzeitig zum Frühstück oder zum Mittagessen wieder in ihren
Klassenverbänden.
Für jeden Schüler wird eine F+iT Akte angelegt, in
der die individuellen Förderbedürfnisse, Erfahrungswerte,
Gesprächsprotokolle, eine Übersicht über die Hilfsmittel,
Anfallsprotokolle, Zeugniskopien etc. vermerkt sind.
Ein detailliert
ausgearbeiteter Organisationsplan gewährleistet die meist reibungslose
Koordination zwischen den pädagogischen Angeboten und den
therapeutischen Behandlungen.
Im täglichen Teamgespräch
(10.00h-10.15h), bei sogenannten Frühstücksgesprächen (alle an der
Förderung eines Schülers beteiligten Personen tauschen sich aus) oder
bei Hospitationen in den jeweiligen Klassen (F+iT Mitarbeiter
hospitieren einmal im Monat während der Frühstückszeit in den Klassen
ihrer Schüler) werden die Eindrücke, Ergebnisse und Vorstellungen der
verschiedenen Fachdisziplinen transparent. Nur durch den intensiven
Austausch können wir eine wirkliche Zusammenarbeit gewährleisten und uns
in unserer Arbeit ergänzen und unterstützen.
BFD'ler,
FSJ‘ler und Einzelfallhelfer fungieren als Informationsträger und
Bindeglied zwischen F+iT Bereich und Klassenteam.
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Der F+iT Bereich umfasst verschiedene Räume, die unterschiedliche
Nutzungsmöglichkeiten bieten und die Umsetzung verschiedener
Förderabsichten ermöglichen. Die individuelle Gestaltung der
Eingangstüren gibt den jeweiligen Räumen ihren Namen.
Der Sternenraum
Da ist zunächst die dunkelblau gestrichene Tür des „Sternenraumes“ mit
ihren zu ertastenden gelbgoldenen Sternenmotiven. Die verschiedenen
Installationen im Raum ermöglichen eine Wahrnehmungsförderung im Sinne
eines „Auf-Sich-Wirken-Lassens“. Seit seiner Erstellung hat sich dieser
Raum in seiner Gestaltung bewährt.
Im Sternenraum
In der Mitte stehen drei unterschiedlich hohe Blasensäulen, die in einem
weich abgepolsterten Podest eingelassen sind. In der rechten Ecke des
Raumes ist eine Schall-Licht-Wand installiert. Diese Wand ist mit einer
Musikanlage verbunden, die Töne großflächig in Farbe umwandelt. Sie
verfügt zusätzlich über ein Mikrofon.
Neben der Schall-Lichtwand
liegt ein großflächiges Tastbrett mit wandernden, bunten Lichtpunkten.
Hier können Schüler mit entsprechend weicher Unterlage besonders
gelagert werden und Tasterfahrungen sammeln.
Unter dem Zeltdach
befinden sich eine Spiegelkugel und drei Punktstrahler.
In einer
anderen Ecke des Raumes steht das Wasserbett. Es ist mit einer
Musikanlage gekoppelt.
Neben all diesen technischen Möglichkeiten
bietet der Raum noch genügend Platz, sich bequem in einen Sitzsack zu
setzen, auf einer der Matten in einem Berg von Kissen zu versinken oder
eine auf den Schüler abgestimmte Lagerungsmöglichkeit außerhalb des
Rollstuhls anzubieten.
Betreten Besucher nach vorheriger Anmeldung
oder im Rahmen unserer Schulfeste den Sternenraum, so wird für uns
Mitarbeiter anhand der Reaktionen einmal mehr aufgefrischt, welche
Ausstrahlungskraft dieser Raum besitzt. Mit dem Ausziehen der Schuhe
werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichsam in eine andere Welt
versetzt.
Der Sonnenraum
Die Tür des Sonnenraumes ist mittelblau gestrichen. Der Sonnenball ist
in der linken oberen Hälfte kreisrund ausgespart und durch eine
Plexiglasscheibe ersetzt. Die Strahlen ziehen sich über die gesamte Tür.
Durch
das Guckloch haben alle von außen Kommenden die Möglichkeit,
Blickkontakt mit einem der Teammitglieder aufzunehmen, ohne das
Geschehen im Raum zu stören. Während im Sternenraum Aspekte des
Beruhigens im Vordergrund stehen, bietet der Sonnenraum Komponenten des
aktiven Miteinanders. Hier findet zum Beispiel die Begrüßungsrunde der
beiden Schülergruppen statt. Die Gestaltung des Raumes wechselt je nach
Themenschwerpunkten. Im vergangenen Schuljahr beispielsweise tauchte der
gesamte Sonnenraum nacheinander in die Farben blau, rot und grün.
Gardinen, das Bällebecken, eine Trockendusche und vielfältige Kleinteile
wurden nach der jeweils aktuellen Farbe ausgewählt.
An einer Tischgruppe können Mal- und Bastelaktionen stattfinden oder
Schüler nutzen den Arbeitsplatz, um mit der Kommunikationsmappe und
elektronischen Hilfsmitteln in Einzelfördersituationen Gespräche zu
führen.
Das warme Bewegungsbad
Schüler, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder anderen Gründen
am Schwimmunterricht des Klassenverbandes nicht teilnehmen, können eine
Wasserzeit für das warme Bewegungsbad erhalten. Eine unserer
Krankenschwestern und Physiotherapeuten aus freien Praxen begleiten 1:1
ihren Schüler ins Becken.
Die Vor- und Nachbereitung – das heißt: das
An- und Ausziehen, der Toilettengang, das Duschen - stehend oder im
Duschwagen unter Aspekten der basalen Stimulation - erfolgt federführend
durch eine weitere Krankenschwester. Unterstützt wird sie durch
angelernte Praktikantinnen und Zivildienstleistende.
Im warmen Bewegungsbad
Die Intimsphäre jedes Schülers erhält während dieser Fördersituation
einen besonders hohen Stellenwert.
Die Förderpflege ist hier
wesentlicher Bestandteil des Unterrichts und bedeutsame Möglichkeit zum
Aufbau und Erhalt zwischenmenschlicher Beziehung. Berührungsängste
werden abgebaut, Vertrauen aufgebaut.
Die Erlebniswelt des Wassers
erforschen – dieser Aspekt steht später dann beim Besuch des 35° Grad
warmen Bewegungsbades im Vordergrund.
Mit dem Wasser vertraut werden,
sich bewegen, tragen lassen, sich wohl fühlen, den Besuch genießen.
Das
Wasser lässt durch Auftrieb und Widerstand für viele Schüler Bewegungen
erst zu, die sie sonst gar nicht durchführen könnten. Das warme Wasser
lockert die Muskulatur, die Gelenke und gelenkartige Verbindungen können
leichter bewegt werden. Auch in diesem Bereich erfolgt die Arbeit Hand
in Hand. Während der erste Schüler sich bereits im Bewegungsbad
befindet, wird der Nächste im ersten Unterrichtsblock auf seinen Besuch
vorbereitet. Im zweiten Block können drei Schüler das warme Bewegungsbad
nutzen.
So ist es möglich, an einem Schulmorgen während zwei
Unterrichtsblöcken fünf Schüler zu fördern und somit intensive
Einzelbetreuungen zu schaffen.
Der Regenbogenraum
Ein großer Regenbogen überspannt die Tür dieses Raumes. Hier arbeiten
die Physiotherapeuten. Ausgestattet ist der Raum mit einer extra großen
Behandlungsliege, verschieden großen Bällen, zwei Langbänken, einer
Spiegelwand uvm.
Ein weiterer Raum zur physiotherapeutischen Arbeit
und zwei kleine Räume für die logopädischen Behandlungen sind in den
vergangenen Jahren zum FiT Bereich dazu gekommen.
In den
Nachmittagsstunden werden die Räumlichkeiten nach individueller
Absprache auch von Klassen genutzt.