31.03.2010 21:59
Aufgabe der Berufsbildungsstufe der Schule mit dem Förderschwerpunkt
geistige Entwicklung ist, den Übergang in die Berufs-, Arbeits- und
Erwachsenenwelt für die Schülerinnen und Schüler ihrem individuellen
Vermögen und Bedürfnissen entsprechend vorzubereiten und anzubahnen.
Bei
der Überarbeitung des Stufencurriculums im Schuljahr 2008/2009
kristallisierte sich der Wunsch bei den Kolleginnen und Kollegen heraus,
unsere Berufsbildungsklassen noch intensiver – als bisher – auf das
zukünftige Berufsleben vorzubereiten.
Mehrere, verschiedene
Ansätze wurden intensiv diskutiert. Letztendlich entstand die Idee, dass
man an einem gemeinsamen Tag die Klassenverbände zugunsten einer
arbeitsplatzähnlichen, ganztägigen Situation auflösen sollte. Die
Schüler sollen an einem Tag, wie in der Werkstatt f. behinderte Menschen
bzw. auf dem weiteren Arbeitsmarkt längerfristig arbeiten. Hierdurch
können grundsätzliche Erfahrungen gemacht werden, die letztendlich in
eine Vorbereitung auf eine eigenständige Berufstätigkeit abzielen.
Aufgrund
der Besonderheiten im Schulprogramm der Roda-Schule "Miteinander Leben lernen"
stehen folgende arbeitsplatzähnliche Situationen an diesem "Arbeitstag" zur Verfügung:
Druckerei

In der Druckerei werden die anfallenden Druck-, Binde und Laminierarbeiten für die Klassen und die Schule nach Auftragseingang bearbeitet und erledigt. Darüber hinaus ist hier die Schulzeitung "Rodafant" angegliedert, die die Schulgemeinschaft über Projekte, Aktionen und Dinge aus dem Schulleben und Schulalltag informieren. Auch diese Zeitung wird in der Druckerei gestaltet.
Wäscherei

In der Wäscherei wird die gesamte Hauswäsche der Schule gereinigt, gemangelt und gepflegt. Dies umfasst Hand- und Badetücher aus den Klassen und dem F+iT-Bereich (Förderbereich der Schule mit Wassertherapie und Physiotherapie), Geschirr- und Trockentücher aus den Klassen, Schonbezüge und Sportbekleidung der Fußballgruppe u.v.m.. Der Umgang mit Waschmaschine, Wäschetrockner, Mangel und Bügeleisen kann so geübt werden.

In der Töpferei werden Geschirre und Töpferware in Gießtontechnik hergestellt. Dieses Verfahren entspricht den Fertigungsverfahren und –prozessen, wie sie auch in der Industrie üblich sind. Sehr gut lassen sich hierbei arbeitsteilige Verfahren üben und umsetzen. Manuelle Fertigkeiten können gefördert werden, die Produkte werden am Tag der offenen Tür zum Verkauf angeboten bzw. wird hier auch für die Klassen der Schule produziert.

Die Arbeitsgruppe Catering sorgt für die Versorgung der 3 Klassen mit Frühstück und Mittagessen. Die Mahlzeiten werden gemeinsam mit allen Beteiligten im Forum eingenommen. An jedem Arbeitstag wird hier Frühstück und Mittagessen für ca. 50 Personen hergestellt, der Einkauf und die "Logistik" für die Verköstigung gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern erledigt.
Von den Bäckern unserer Schule wird der gesamte Backbedarf für die Klassen abgedeckt. Brot, verschiedene Brötchensorten und andere Backwaren werden hier zubereitet, eingefroren und können an jedem Schultag von den Klassen abgeholt werden.
Arbeitszeit ist für alle Gruppen von 8.45 Uhr
bis 15.00 Uhr. Gegen 10.00 Uhr ist eine 15minütige Frühstückspause im
Forum und ab 12.15 Uhr steht das Mittagessen bereit. Die Pausenregelung
ist deutlich gekürzt, es gibt nur noch eine kurze Frühstückspause,
Mittagessen und eine kurze Außenpause.
Es gilt das "Rotationsprinzip": Die Arbeitsgruppen werden so eingeteilt, dass
heterogene Gruppen gebildet werden können. Jeder Schüler wird im Laufe
eines Schuljahres in allen Gruppen arbeiten. Es gibt für jeden Schüler
einen Beobachtungsbogen, in dem die Gruppenleitung – spätestens zum
Zeitpunkt des Wechsels - eine Bewertung abgibt. Empfohlen wird
allerdings diesen Bewertungsbogen auch zwischendurch, gemeinsam mit den
Schülerinnen und Schülern auszufüllen und zu besprechen (im Sinne einer
Selbstreflektion und -evaluation).
Folgende Kriterien werden
hierbei zugrunde gelegt:
-
Ausdauer/Belastbarkeit
- Arbeitseifer
- Arbeitstempo
-
Arbeitsqualität
- Arbeitsquantität
-
Problemlösungsverhalten
- Umgang mit/Verhalten zu Vorgesetzten
-
Umgang mit/Verhalten zu Kollegen und Kolleginnen
- Pünktlichkeit
-
Einhalten von Zeiten
Die Wertung wird für die Schüler über
Piktogramme veranschaulicht.
Zum Ende eines Schuljahres liegen
demnach mindestens 4 Leistungsberichte aus den verschiedenen
Arbeitsbereichen vor, sie sollen ebenfalls Bestandteil des Zeugnisses
sein..
Diese Leistungsberichte sollen auch im Hinblick auf die zur
Schulentlassung anstehenden Empfehlungen und Beratungen eine
Hilfestellung bieten und die Chancen für eine problemlosere
Eingliederung in die Arbeitswelt erhöhen.
Insgesamt zeigen erste
Evaluationsergebnisse, dass dieser Tag – nach anfänglichen
Orientierungsschwierigkeiten – bei den Schülerinnen und Schülern und den
beteiligten Kolleginnen und Kollegen sehr gut angenommen wird. Auch ist
das Interesse im eigenen Hause für dieses Projekt bei nicht beteiligten
Kolleginnen und Kollegen so sehr gewachsen, dass dieses Projekt im
Rahmen einer Lehrerkonferenz vorgestellt wird. Die Bearbeitung der
Bewertungsbögen mit den Schülerinnen und Schülern setzt eine intensivere
Besprechung in der Gruppe voraus, führt aber zunehmend zu einem
selbstkritischeren Blick auf die eigene Leistung bei den Schülerinnen
und Schülern.
(Christiane Rokuß)